"Wir sprachen mit ihr natürlich auch über das Fotoshooting von damals", so Boitin. "Gaby Heier ist 1972 zwar auf dem Titel zu sehen, aber im Magazin kommt sie gar nicht vor - geschweige denn nackt. Auf die Frage, warum das denn so ist, antwortet sie jetzt: "Mich hat damals keiner gefragt." 30 Jahre später haben die Playboy-Kollegen das dann allerdings nachgeholt und sie 2003 noch mal nackt für eine Ausgabe fotografiert."  

Die besten Playboy-Witze 

Zudem gibt es in der Jubiläumsausgabe ein Quiz und die "besten "Playboy"-Witze" aus 50 Jahren. "In einem 20-seitigen Feature sprechen wir mit zehn Prominenten darüber, wie sich das Frauen- und das Männerbild in den 50 Jahren verändert haben." 

Denn seit der "Playboy" mit dem Motto "Alles was Männern Spaß macht" an den Start ging, hat sich die Gesellschaft sehr gewandelt. Boitin zum Beispiel kaufte sein erstes "Playboy"-Heft 1982 mit 15 Jahren - und gab es nie wieder her.  

"Ich war damals mitten in der Pubertät. Und ich muss gestehen, bei meinem ersten "Playboy" haben mich die Interviews nur am Rande interessiert", gibt er zu. "Die Funktion des "Playboy" hat sich über die letzten 50 Jahre natürlich stark verändert. Ich selbst bin mit dem "Playboy" erwachsen geworden - oder wie man so schön sagt: Ich bin mit dem "Playboy" zum Mann geworden." Boitin hat vier Kinder, zwei davon erwachsen. "Und ich weiß, dass mein großer Sohn nicht mehr durch den "Playboy" sexuell aufgeklärt werden musste." 

Heute werde der "Playboy" viel stärker in seiner Vielfalt wahrgenommen, meint der Chefredakteur. "Natürlich spielen die Erotik und die erotischen Bilder eine starke Rolle, aber heute geht es tatsächlich mehr darum, wer auf dem Playboy zu sehen ist, als dass man Männern zeigt: So sieht das weibliche Wesen unbekleidet aus."   

Erfolg mit Laura Müller 

Anfang 2020 zeigte der "Playboy" die damals 19-jährige Abiturientin Laura Müller, die Frau an der Seite des Skandal-Sängers Michael Wendler, splitternackt. Und verkaufte so rund doppelt so viele Februar-Hefte. Der Traffic auf der Onlineseite verfünffachte sich durch Laura Müller.  

Der "Playboy" ist mit monatlich verkauften 101 102 Exemplaren ohnehin sehr erfolgreich. Warum? Man sei sich im Kern immer treu geblieben, betont der Blattmacher. Er zieht dabei eine Analogie zum Actionhelden 007: "Geheimagent James Bond ist trotz aller gesellschaftlicher Veränderungen noch immer - genau, ein Mann. Und: Er ist immer noch heteronormativ veranlagt. Er wirbt und kämpft um Frauen. Die Figur des James Bond hat eine unveränderbare DNA."  

Und genauso sei das eben auch beim "Playboy". Boitin: "Wir sind uns in der Grund-DNA einfach treu geblieben. Das heißt: Wir richten uns vordringlich an den heteronormativen Mann, der sich von der Schönheit und Einzigartigkeit der Frau angesprochen fühlt. Das heißt aber nicht, dass wir nicht trotzdem mit der Zeit gegangen sind." Die Sprache im Heft habe sich verändert. "So sprechen wir natürlich auch nicht mehr von "Mädchen"." 

Der Käufer ist kaum gealtert 

Kaum gealtert ist in der ganzen Zeit der durchschnittliche Käufer. "Der "Playboy"-Leser ist im Schnitt knapp 39 und sehr vielfältig", so Boitin. "Wir erreichen den 25-jährigen Technik-Studenten aus München genauso wie den 43-jährigen Familienvater, der in Sachsen-Anhalt in seinem Einfamilienhaus lebt, bis hin zum Universitätsprofessor an der Klinik Innsbruck, der gerade in den wohlverdienten Ruhestand geht." Was viele von ihnen eint: "Der "Playboy"-Leser hat Freude am Leben, kann sich aber tatsächlich auch viele seiner Leidenschaften leisten." 

Was viele Menschen nicht wissen: Hinter den Kulissen der Münchner Männer-Lifestyle-Marke arbeiten mehrheitlich Frauen. Boitin: "60 Prozent des "Playboy"-Teams bestehen aus Frauen. Jeder, der sich bei "Playboy" verantwortlich mit dem Thema Fotografie beschäftigt, ist weiblich." Auf die Frage, ob man eines Tages Gendersternchen in seinem Heft finden wird, weicht Boitin elegant aus: "Ich persönlich sehe in dem Gendersternchen keinen Evolutionsschritt, der so bahnbrechend ist, dass der "Playboy" diesem unbedingt folgen muss." (Christof Bock, dpa/st)


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