Ebenfalls beachtlich: das von Apple verbaute Soundsystem mit sechs Lautsprechern und Spatial Audio. Ich habe meine Büro-HomePods abgemeldet. Der Sound kommt jetzt aus dem Display und füllt den (Arbeits-)Raum. Satter Sound, gut austrariert, nicht zu basslastig. Das Display-Array mit drei Mikrofonen sorgte bei meinen Kollegen und Kolleginnen in Zoom-Konferenzen für Staunen: Der Typ kommt klar…

Zum Start hat die 12-MP-Ultra-Webcam Kritik hervorgerufen. Sie sei zu schwammig, monierten erste Tester. Apple legte nach, auch mit einem Firmware-Update. Die Qualität überzeugt mich weiterhin nur zu, sagen wir, 80 Prozent. Das Center Stage Feature, über das die Kamera mir folgt, entschädigt aber für die leichten Unzulänglichkeiten der Webcam. Zuvor war Center Stage nur auf dem iPad verfügbar.

Was mir fehlt? Zunächst einmal mehr Anschlüsse! Ein einziger Thunderbolt-3-Anschluss (USB-C) und drei USB-C-Anschlüsse zwingen mich in meinem Schreibtisch-Lineup zu einem Adapter. Zweifelhaft auch, dass das Stromkabel des Studio Displays nicht abgenommen werden kann. 

Draufsicht von oben: Das Studio Display mit schlankem Design.

Draufsicht von oben: Das Studio Display mit schlankem Design.

 

Schwerer wiegt aber, dass Apple darauf verzichtet hat, HDR und ProMotion zu integrieren. Auf iPhones, iPads und MacBooks gibt es das schon länger. So fehlt ohne HDR auch Local Dimming. 60 Hz als Bildwiederholungfrequenz sind nicht mehr state of the art, wenn MacBooks und die iPhone-Pro-Modelle schon bis zu 120 Hz anbieten. 

Rechtfertigen die Pluspunkte dennoch den hohen Preis? 450 Euro (!) verlangt Apple extra für den höhen- und neigungsverstellbaren Ständer. Ich nutze die "Nur-neigungsverstellbare" Ständer-Version und ärgere mich. Der Bildschirm war mir zu niedrig, ich habe das Display daher auf einen zusätzlichen 25-Euro-Mac-Ständer höher gestellt. Nicht optimal. Aber nachrüsten auf den besseren Ständer lässt sich das Display nicht… 450 Euro für die Neigungs-Option? Da neigt man zum Verzicht. Sehr teuer dieses Extra! Kennen wir von Apple, 800 Euro kosteten Extra-Rollen für den Mac Pro. Im Bereich der Mobiltelefone haben iPhone-Besitzer schon lange ihren Unmut darüber geäußert, was Apple für mehr Speicherplatz verlangt, und die Liste ließe sich fortsetzen.

Fazit

Wer im Apple-Ökosystem unterwegs ist, wird das Studio Display wertschätzen und die einfache Einrichtung, den Sound, Center Stage und das tolle Design nicht mehr missen wollen – auch wenn HDR, ProMotion und mehr Anschlüsse leider fehlen, obwohl ich sie bei diesem Preis erwartet hätte.

Wer einen höhenverstellbaren Monitor benötigt, und nur ein kleineres Budget hat, sollte sich Alternativen suchen, wo Extras auch nicht mit einem großen Aufpreis versehen sind. Das sind die Dell-LG-XY-Monitore, die mit minderer Bildschirmqualität und schlechterer Verarbeitung um die 500 Euro kosten. Das reicht fürs gelegentliche Tippen am Computer nach Feierabend. 

Komfort hat seinen (hohen) Preis. Wer aber – wie der Tester – den ganzen Tag vor dem sehr angenehmen Studio-Display-Bildschirm sitzt, kann fast sicher sein, dass die nächste Augenuntersuchung nicht schlechter ausfällt…

Das sind die Themen in TechTäglich am 1. August:

Im W&V-Härtetest: Das neue Apple Studio Display

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Autor: Michael Gronau

ist Autor bei W&V. Der studierte Germanist interessiert sich besonders für die großen Tech-Firmen Apple, Google, Amazon, Samsung und Facebook. Er reist oft in die USA, nimmt regelmäßig an Keynotes und Events teil, beobachtet aber auch täglich die Berliner Start-up-Szene und ist unser Gadget- und App-Spezialist. Zur Entspannung hört er Musik von Steely Dan und schaut Fußballspiele seines Heimatvereins Wuppertaler SV.